Die Chance des Lebens

„Ich will keinen guten Job. Sondern die Chance meines Lebens.“

In schlechtem Deutsch und mit höchsten Anspruch wirbt  eine deutsche Beratungsfirma im Internet für neue Arbeitskräfte. Soweit so ungut.

Mich hat bereits beim ersten Lesen dieser Anzeige das Bild gestört, dass in mir entsand. Die Chance meines Lebens? Welchen Lebens?

Ich hatte sehr verschiedene Lebensabschnitte, die nicht miteinander vergeichbar waren und noch immer nicht sind. Also was meint diese Firma mit „Leben“?

Die Erwartungshaltung die mit diesem Werbespruch geweckt wird steht konträr zur Branche die sie vermitteln will. Ein Blick auf die Webseite der Firma zeigt, dass es nur die Entschlossenen, die absolut Fähigen schaffen in dieses Unternehmen aufgenommen zu werden.

Ein Bild mit einem jungen Mann mit Kapuzenshirt weckt Erinnerungen an einen Mönch.

Aha, eine irgendwie geartete Weihe bekommt Mann oder Frau dann wohl auch. Der erfolgreiche Bewerber soll auch diszipliniert, zuverlässig und symphatisch sein. Also doch so etwas wie ein Kloster?

Wenn man sich mit der Beraterbranche befasst, erfährt man schnell wie so eine Jungspundwoche aussieht: Leben aus dem Koffer, 70 bis 80 Stunden-Arbeitswoche.

Also die Chance des Lebens auf eine 70/80-Stunden-Woche? Natürlich hochkompetent und mit Spass, denn der Bewerber soll ja schließlich den Auftraggeber überzeugen, menschlich und fachlich.

Interessant ist die Angebot-Proklamation als „Chance meines Lebens“. Wann weiß man denn, ob das die Chance des Lebens ist bzw. war? Im zarten Berufslebensalter von 30 Jahren oder erst mit 80 Jahren als Durchschnittsaltersinhaber.

Wer weiß schon, wann im Leben das Beste kommt. Letztendlich bekommt jeder was er verdient. Der Eine bekommt den Stress und den Frust und der andere exakt was er will.

Fragt sich nur wer wer ist.