Press the button?

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Momentan coache ich einen 16 jährigen Schüler. Er hat mehrere Probleme, die ineinander greifen und die Lernleistung erheblich beeinträchtigen. Also etwas durchaus Übliches in unserer heutigen Zeit. Durch das Coaching konnten wir schon seine Konzentrationsfähigkeit erhöhen und ein paar ungeeignete Angewohnheiten abstellen. Soweit der Fortschritt.

Eine Angewohnheit scheint unüberwindlich: Nach 22 Uhr wird noch emsig getweetet, gesimst und auf Facebook werden Bilder und Videos geteilt. Am nächsten Tag ist er meist müde und schleppt sich durch den Stundenplan.

Ich hatte eine interessante Diskussion mit ihm über seine Handynutzung. Er ist wirklich gut erzogen und ein sehr freundlicher Junge. Aber das Handy um 22 Uhr auszuschalten, war für ihn eine Zumutung. So habe ich ihn noch nicht erlebt. Seine Stimme hat sich fast überschlagen. Möglicherweise hätte ein Essenentzug nicht soviel Widerstand ausgelöst, wie nur der Gedanke an das abgeschaltete Handy.

Ich sehe oft Menschen auf ihr Handy starren und wie wild irgendwelche realen oder imaginären Knöpfe drücken. Was gibt es da zu lesen?

Seit wenigen Wochen bin ich auch auf Facebook zu finden. Ich habe mich der Tatsache gebeugt, daß es manche Informationen nur dort gibt. Ich arbeite auch für eine Online-Akademie und deren Support ist nur über Facebook erreichbar.

Dort beobachte ich fasziniert, wie manche Menschen von morgens bis abends mehr oder wenige nützliche bzw. sinnvolle Informationen veröffentlichen. Da ich eher der Typ „Konsument“ bin, hält sich meine Aktivität dort in engen Grenzen. Der andere Typ ist der „Lieferant“.

Ich habe festgestellt, daß diese Lieferanten jeden Tag neuen Nachschub liefern und somit das System am Laufen halten. Da habe ich mich gefragt, woher kommen all diese Informationen? Wo ist der echte Wert einer Information? Besteht der Wert darin etwas in die Welt zu senden oder in dem Inhalt?

Haben Sie gewußt, daß die 89 jährige Mutter von Sir Richard Benson ihr erstes Buch geschrieben hat? Ist diese Information interessant für Sie? Ist diese Information wertvoll für Sie? Verbessert sie Ihr Leben? Nun ist sie da und wir alle müssen damit leben, egal ob wir sie gelesen haben oder nicht.

Permanente Informationen, die nicht mehr gefiltert werden können, lösen Stress aus. Sie könne auch süchtig machen.

Zurück zu dem 16 Jährigen und seinem Handy. Woher sollen Jugendliche in diesem Alter wissen, was wirklich zählt? Zum Beispiel genügend Schlaf zu bekommen, um am nächsten Tag fit für die Schule zu sein. Ein guter Schulabschluß wird ihm die Möglichkeit geben eine gute Ausbildung zu bekommen. Mit der guten Ausbildung wird er einen Job bekommen und der wiederum wird es ihm ermöglichen das neueste Handy zu kaufen.

Bis dahin wird es hoffentlich ein Handy geben, daß sich von allein ausschaltet, wenn es Zeit ist zu schlafen. Oder Mütter, die so mutig und konsequent sind es unter Verschluß nehmen.

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