Die Frage einer 13-jährigen Schülerin

Mich erreichen immer wieder Anfragen zum Thema Schulstress. Hier ist ein typischer Fall einer Schülerin, die sich aufgrund ihrer Leistungen Gedanken gemacht hat, wie es weitergehen kann:

Hier Ausschnitte aus meiner Antwort:

Hallo L…….,

vielen Dank für deine Zeilen. Es tut mir leid, dass du so schlechte Noten bekommen hast und jetzt in die Hauptschule wechseln willst.

Es ist ein bisschen schwer, so aus der Ferne Tipps zu geben. Aber ich versuche es trotzdem und ich stütze mich dabei auf meine Erfahrungen.

Es gibt viele Kinder denen es so geht wie dir. Irgendwann sind sie nicht mehr richtig mitgekommen im Unterricht und es sind Lücken im Wissen entstanden. Dann fängt man an, nicht mehr alles zu verstehen und es kommt immer mehr neuer Stoff und es geht immer schneller, so dass man im Unterricht nicht mehr  mitkommt. Dann bekommt die Schüler, so wie du, Nachhilfe. Aber die Nachhilfelehrer arbeiten immer nur mit dem aktuellen Stoff. Das nützt dann wenig, weil die Lücken ja schon so groß sind. Ab und zu versteht man ein wenig, aber das nützt leider auch nicht so viel.

Dann bekommt man das Gefühl, dass man sich nicht richtig konzentrieren kann. Konzentration ist etwas, was man tun muss. Konzentration ist nicht einfach so da oder weg. Es ist so, dass es etwas geben muss, auf das man sich konzentriert, zum Beispiel eine Aufgabe oder ein  Ziel. Dieses Ziel muss man klar erkennen. Falls es zu  ungenau ist, dann sieht man es nicht richtig. Das ist ein bisschen wie im Nebel Fahrrad fahren. Man hat keine richtige Orientierung und es besteht  die Gefahr, dass man sich verfährt. Dein Wissen (mit den Lücken) ist wie dieser Nebel.

Beim Lernen ist es wichtig an den Punkt zurückzukehren, an dem du alles verstanden hast. In der Schule geht es aber oft zu schnell mit dem Stoff vorwärts. In den höheren Klassen wird es dann auch komplizierter und der neue Stoff baut ja auf dem alten Wissen auf, dass du aber nicht richtig verstanden hast.

Es fühlt sich oft doof und peinlich an, wenn man vor allen anderen Schülern nochmal nachfragt. Manche Lehrer machen auch gemeine Kommentare und verschrecken die Schüler, die nicht so flott mit dem Lernen sind.

Viele Kinder fühlen sich dumm, weil sie in der Schule schlechte Zensuren bekommen. Oder sie werden für faul gehalten. Das stimmt nicht, denn oft lernen und üben diese Kinder ganz viel, aber es ist eine Qual, weil nichts
vorwärts geht und es keine Verbesserungen gibt. Aber sie haben sich doch nur im Nebel verfahren und brauche eine klare Sicht, um wieder das Ziel zu sehen!

Was dir sicherlich helfen kann, ist eine Lerntherapie. Die Lerntherapie baut das Wissen von vorne auf. Es geht darum zu verstehen, wie das Lernen funktioniert und wie du das Wissen anwenden kannst. Das kann die Nachhilfe
leider nicht, weil sie ja nur den aktuellen Stoff durchnimmt.

Es wäre vielleicht ein Weg für dich, eine Lerntherapie in den Ferien zu machen und die 7.Klasse in der Realschule freiwillig zu wiederholen. Ich weiß, dass es in deinem Alter nicht so ein tolles Gefühl ist eine Klasse zu wiederholen. Aber wenn du an die Hauptschule wechseln willst, dann fängst du ja dort auch nochmal von vorn an und musst dir auch neue Freunde zu suchen.

Wenn dich deine Eltern unterstützen, dann überleg dir mal, ob du Lust hast so eine Lerntherapie zu machen. Das kostet natürlich Geld, aber die Nachhilfe kostet ja auch Geld. Du sollst ja verstehen und anwenden, was du lernst. Dann macht Lernen auch Spass. Was Spass macht, fällt einem leicht und bringt auch Erfolg. Dann kannst du zurückkehren zu deinen guten Noten.

Ich bin keine Lerntherapeutin, sondern ein Coach. Ich helfe meinen Schülern zu entspannen und das Selbstvertrauen aufzubauen, was sie verloren haben, weil sie nicht so gut in der Schule sind. Oder ich helfe ihnen, dass sie das Lernen besser organisieren können oder wenn sie Prüfungsangst haben. 

Ich kenne die beste und erfolgreichste Lerntherapeutin in Deutschland. Sie hat mich mal gefragt, ob ich eine Idee habe, wie ihre Schüler (Kinder und Erwachsene) noch schneller besser werden können. Das haben wir zusammen überlegt und seither arbeite ich mit vielen Kindern, die eine Lerntherapie bei ihr machen. Wenn du möchtest, gebe ich deinen Eltern die Adresse.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen. Ich wünsche dir, dass du so mutig und aufmerksam bleibst. Ich finde es gut, wenn sich Kinder in deinem Alter Gedanken darüber machen, wie sie ihre Schulleistungen verbessern können. Das ist ja auch wichtig für deine Zukunft, damit du einmal einen Beruf findest, der dir Spass macht.

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Die Schülerin hat sich für die Zeit bedankt, die ich mir genommen habe, um ihr ausführlich zu antworten.

Ich denke, man sollte sich Zeit nehmen, wenn man einem Kind etwas erklären will. Es wäre schön, wenn diese Zeit in unseren Schulen auch zur Verfügung stehen würde.

Das würde sicher nicht nur ein Schülerleben ändern.